Wie wohnen wir nachhaltig?

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Aspekt in unserem Leben geworden – wir trennen Müll, verwenden keine Plastiktüten mehr, achten auf die Herkunft unserer Lebensmittel und lieben Mode von kleinen Labels. Wir zeigen Ihnen, warum es sich lohnt, auch bei der Innenausstattung auf Umweltfaktoren zu achten und wie mit cleveren, stilsicheren Produkten Design und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen.

Steht ein Umzug oder Sinn nach Veränderung an, zieht es die meisten Personen direkt in das nächste Möbelhaus. Eine große Auswahl verbunden mit kleinen Preisen schont vermeintlich Nerven und Geldbeutel. Dass die Produkte schon beim Zusammenbau gewaltig an den Nerven zehren können und obendrein den Geldbeutel belasten, wenn nach kurzer Zeit der Lack abblättert, vergessen wir dann doch allzu häufig. Dass wir verantwortungsvoll und ressourcenschonend leben sollten, um Umwelt und Natur zu erhalten und zu schützen ist mittlerweile keine Neuigkeit mehr. Nachhaltigkeit ist ein zentraler Aspekt in unserem Leben geworden – auch bei der Wahl unserer Einrichtung sollten wir darauf achten.

 

Wir haben es in der Hand

Unsere Konsumentscheidungen sind hervorragende Hebel, um nachhaltigere Produktionsweisen, Materialien und Angebote zu fördern. Dabei spielen Regionalität, nachwachsende Rohstoffe und gutes Handwerk eine wichtige Rolle. Denn je hochwertiger und zeitloser die Stücke sind, mit denen man seine Wohnung zu einem echten Zuhause macht, desto langlebiger und nachhaltiger sind sie. Und wer möchte sich nicht ausschließlich mit echten Lieblingsstücken umgeben?

Aber von vorne – Wie kann Einrichtung nachhaltig sein? Welche Merkmale sind zu beachten? Worauf kommt es an? Wir stellen Ihnen fünf Fragen vor, mit denen Sie nachhaltige Möbel auf den ersten Blick erkennen können.

1. Woraus besteht das Möbelstück?

Ein wichtiger Faktor bei der Wahl nachhaltiger Möbel und Inneneinrichtung sind die Materialien, die verarbeitet wurden. Die Natur schlägt die Industrie dabei um Längen. Wie bei guter Ernährung gilt auch bei Produkten: Am besten so unverarbeitet wie möglich kaufen.

Holz gilt gemeinhin als nachhaltiger Rohstoff, denn es ist im Gegensatz zu fossilen Ressourcen, wie zum Beispiel Mineralöl für die Plastikherstellung, nachwachsend. Aber Achtung, Holz ist nicht gleich Holz.

Tropenholz aus Asien, Afrika oder Mittel- und Südamerika zum Beispiel ist alles andere als nachhaltig. Zu den wirtschaftlich bedeutendsten Tropenhölzern zählen Mahagoni, Teak, Bangkirai und Meranti. Für die Gewinnung von Tropenholz wird tropischer Wald massiv gerodet. Die Tropenholzwirtschaft zerstört den Lebensraum bedrohter Arten und ist meist auch aus menschenrechtlicher Sicht äußerst problematisch. Zu allem Überfluss werden durch die langen Transportwege auch noch unnötig viele Emissionen ausgestoßen. Massivholz mit naturbelassenen Oberflächen ist bei langlebigen Möbeln, die täglich im Einsatz sind, das Produkt der Wahl. Viele Schreiner*innen und Möbeldesigner*innen verarbeiten hochwertige, heimische Hölzer und erklären Ihnen ganz genau, woraus ihr Produkt besteht.

Ein kritischer Blick auf die Produkte kann Veränderung herbeiführen, denn Hersteller*innen reagieren auf Nachfrage. Wenn also viele Kunden neue Ansprüche stellen, wird auch transparenter und nachhaltiger produziert.

Dorka und Daniel, die Gründer*innen von Atisan, vertreiben Wohnaccessoires aus Seegras, Wasserhyazinthe, Rattan und Bambus. Diese schnell nachwachsenden Materialien benötigen keine Pestizide oder Dünger und sind robust und langlebig. Produziert wird in kleinen Manufakturen, die das traditionelle Handwerk fördern und erhalten. Auch für das Label monoton living spielen die verwendeten Materialien eine große Rolle. Bio-Baumwolle und Bio-Satin werden mit umweltschonenden Farben bedruckt und zu schöner Bettwäsche verarbeitet. Beim biologischen Anbau werden keine Pestizide verwendet und weniger Wasser verschwendet.

2. Wo wurde das Möbelstück hergestellt?

Regionalität ist meist der einfachste Weg, Emissionen zu vermeiden, lokale Handwerker*innen und kleine Labels vor Ort zu unterstützen und mehr Transparenz zu erhalten. In Zeiten von Onlineshopping und Outsourcing verlieren wir immer mehr das Bewusstsein für Transportwege und lange Lieferketten, die sich hinter wenigen Klicks verbergen. Waren, die über mehrere Kontinente geflogen oder geschifft werden, um alle Produktionsschritte zu durchlaufen, haben einen immensen ökologischen Fußabdruck.

Und wenn das Produkt unserer Träume nun doch lokal in München hergestellt wird, man selbst aber in Hamburg lebt? Dann lohnt sich ein Blick auf die Verpackungsmaße, um das schlechte Gewissen zu beruhigen: Labels, die nachhaltig denken, denken auch den Versand umweltschonend und designen ihr Produkt so, dass es platzsparend transportiert werden kann.

3. Wer hat das Möbelstück hergestellt?

In der Mode schon längst ein Begriff, kommt auch der Aspekt „who made my furniture“ beim Thema Nachhaltigkeit zum Tragen. Traditionelles Handwerk ist meist seit jeher ressourcenschonend und nachhaltig. Schreiner*innen,Möbeldesigner*innen und zahlreiche andere kleine Betriebe haben fundiertes Wissen über Materialien, Fertigungsprozesse und individuelle Wünsche der Kund*innen. Mit lokaler Produktion und Handarbeit im Gegensatz zu industrieller Massenherstellung garantieren Designer*innen qualitativ hochwertige und langlebige Produkte.

Im kleinen Schweizer Ort Möhlin nahe Basel stellt Patrick Doggweiler hochwertige Möbelstücke in seiner Werkstatt her. Der Innenarchitekt und Schreiner legt großen Wert auf die Absprache mit seinen Kund*innen und fertigt eigens individuelle Möbel ausMassivholz. Für ihn spiegeln Möbelstücke Wertvorstellungen wider und sind Kultur.

4. Was kann das Produkt alles?

Ein kurzer Blick auf die Entwicklung des Selbstverständnisses von Design zeigt: Umweltbewusstsein ist heute Teil von gutem Design. Früher legte man primär Wert auf gute Form und ästhetisch Ansprechendes. Design war in den goldenen Jahren dazu da, den Konsum anzuheizen, das Bedürfnis der Käufer*innen nach Neuem zu befriedigen und doch gleichzeitig weiter zu vergrößern. Design heute verbindet Qualität mit ethischer Verantwortung und dem Anspruch, multifunktionale und langlebige Produkte zu kreieren. Immer mehr Designer*innen denken daher ihre Produkte ganzheitlicher und unabhängig von Trends.

Der Designer Philipp Rast von Formich hat sich mit der Problematik unserer Zeit beschäftigt: Neue Wohnung, Lust auf Veränderung, Tapetenwechsel im Eigenheim und gleichzeitig der Umwelt nicht schaden – Formich lässt sich unkompliziert umändern und nimmt neue Formen an, sodass daraus Regal, Sideboard, Beistelltisch und vieles mehr werden kann. So passt sich das System der Wohnsituation und Laune an und wird zum lebenslangen Begleiter.

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und Wegen, Holz zu bearbeiten und zu gestalten, entwickelten die beiden erfahrenen Schreiner Tobias Jung und Denis Dostmann die patentierte Lignum Arts Innovative Kollektion, kurz L A I K. Im Fokus ihrer Bemühungen stand dabei von Anfang an die Maxime: Flexibel leben.

Mit ihrem Tisch präsentieren sie eine wirklich überzeugende Lösung. Das weltweit einmalige Lamellensystem sorgt dafür, dass der Tisch ganz sanft auf seine volle Länge ausfahrbar ist. Familienzuwachs, Gäste zu Besuch, Homeoffice: Binnen Sekunden gewinnt man die Hälfte der Grundlänge an Platz. Ohne Einlegeplatte oder Klappmechanismus.

5. Was passiert mit dem Produkt, wenn ich es nicht mehr nutze?

Materialien aus der Umgebung, direkter Kontakt zum Hersteller und handwerkliches Know-how garantieren auch die Langlebigkeit eines Produkts. Klar, was gut gefertigt ist hält dem täglichen Gebrauch länger Stand und muss nicht ersetzt oder entsorgt werden. Wenn wir einmal in ein zeitloses, hochwertiges Produkt investieren, handeln wir nachhaltiger, als billig produzierte Trendteile nach kurzer Nutzungsdauer immer wieder neu zu kaufen.

Aber was passiert mit Produkten, wenn sie tatsächlich irgendwann ausgedient haben? Nachhaltige Designer beschäftigen sich schon im Entwurf damit, wie ein Produkt lange erhalten bleiben kann und auch wieder entsorgt werden kann. Ein wichtiges Stichwort hierbei ist die Kreislaufwirtschaft. Dabei geht es im Gegensatz zum ‚'klassischen‘ linearen Wirtschaftsmodell darum, Materialien und Produkte so lange wie möglich zu recyclen, wiederzuverwenden, zu reparieren oder aufzuarbeiten. So wird einerseits die Lebensdauer bestehender Produkte verlängert und andererseits generieren verwendete Rohstoffe länger Wertschöpfung.

„Das Einwegdesign der Möbelindustrie ist ein riesengroßes Problem. JEDE WOCHE landen alleine in Österreich ca. 1.000 Küchen auf der Mülldeponie. Wir sind der Meinung das muss aufhören und zeigen, dass es geht“, sagen Horst Eckstein und Thomas Hauer, die Gründer von keep.

Moderne Leben sind oft mit mehreren Umzügen von einer Stadt zur anderen verbunden. Die Gründer von keep sind der Meinung, dass man eine Küche dabei nicht zurücklassen oder gar wegwerfen sollte. Daher können die Küchen mehrmals auf- und abgebaut sowie erweitern oder verkleinert werden. Immer angepasst an die Lebenssituation. Die Kitchen to keep werden aus Linoleum gefertigt. Sämtliche Bestandteile dessen sind nachwachsende Rohstoffe: Leinöl, Harze, Holz- und Kalksteinmehl sowie natürlichen Farbpigmente. Deshalb ist das Material besonders ökologisch. Es belastet weder bei der Produktion noch bei der Entsorgung die Umwelt, denn es ist am Ende einer langen Lebensdauer biologisch abbaubar.

Schon diese Auswahl an blickfang-Designer*innen zeigt eindrücklich: Design, Ästhetik und ein nachhaltiges Mindset schließen sich nicht aus, sondern sind viel mehr die einzig konsequente Ergänzung.

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