Circular Design - Die neue Perfektion

Schnelle Wegwerfmöbel haben ausgedient. Kleidung aus Polyester macht nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Körper zu schaffen. Und Schmuck aus Gold, das unter verheerenden Bedingungen gefördert wird, hinterlässt keinen Glanz, sondern einen schalen Beigeschmack.

Gesucht wird eine neue Perfektion, die im Design Verantwortung mit Ästhetik verbindet. Aber was zeichnet diese nachhaltige Designprodukte aus? 

Bei gutem Design geht Verantwortung mit Ästhetik Hand in Hand

Eine Antwort darauf bietet die sogenannte Kreislaufwirtschaft. Hierbei geht es im Gegensatz zum ‚'klassischen‘ linearen Wirtschaftsmodell darum, Materialien und Produkte so lange wie möglich zu recyclen, wiederzuverwenden, zu reparieren oder aufzuarbeiten. So wird einerseits die Lebensdauer bestehender Produkte verlängert und andererseits generieren verwendete Rohstoffe eine längere, nachhaltigere Wertschöpfung.

10 Thesen für zirkuläres Design

Da bereits 80 Prozent der Umwelteinwirkungen eines Produktes im Design festgelegt werden, spielen besonders Designer:innen bei der Gestaltung dieses Übergangs eine große Rolle.

Anfang 2021 entwickelte der Designer Stefan Diez daher in Anlehnung an Dieter Rams 10 Thesen für zirkuläres Design. Darin fordert er Flexibilität und Modularität im Design um ein Produkt möglichst lange nutzbar zu machen. Zirkuläre Produkte sollten außerdem reparierbar sein und Elemente zur Weiterentwicklung oder Aktualisierung enthalten. Zur Herstellung sollten ausschließlich erneuerbare oder reyclbare Materialien verwendet werden.

Ein Kreislaufprodukt sollte zudem während seiner gesamten Lebensdauer so wenig Energie wie möglich verbrauchen und effizient wie platzsparend transportiert werden. Darüber hinaus sollte ein Produkt, so Diez, innovativ, faszinierend und von vielen genutzt sein. Damit spielt der Designer also auf Konzepte wie Sharing oder Product-as-a-Service an. Und auch die sozialen Aspekte dürfen natürlich sowohl bei der Herstellung wie entlang der gesamten Lieferkette nicht vernachlässigt werden. Schließlich – um den Kreis zu Dieter Rams Thesen zu schließen – sei, laut Diez, „ein gutes Produkt so wenig Produkt wie möglich“.

Moderne Konzeption mit nachhaltigen Kriterien bei kleinen Labels

Wie findet man nun aber als Verbraucher:in heraus ob das auserkorene Designprodukt diesen Ansprüchen gerecht werden kann?

Durch Fragen und im Idealfall den direkten Kontakt mit Designer:innen und Hersteller:innen, wie zum Beispiel an der Designmesse BLICKFANG. Denn auch unsere Jury, die die Labels vorab auswählt, legt nicht nur Wert auf ästhetische Aspekte, sondern auch auf Innovationskraft und Nachhaltigkeit der Produkte. Eine kleine Auswahl unserer zirkulären Designer:innen haben wir dir hier einmal zusammengestellt.

SUSUMU Ai

Egal wie nachhaltig etwas hergestellt wurde, was bereits existiert ist ökologischer als etwas, was neu produziert wurde. Das Modelabel SUSUMU Ai hat für die Fertigung ihrer hochwertigen Kleidungsstücke daher einen besonderen Weg gewählt: Aus hochwertigen japanischen Kimonos entstehen westliche Kleidungsstücke, die uns im Sommer kühlen und im Winter warm halten. Jedes der traditionellen japanischen Muster hat zudem eine eigene Bedeutung, die die Stücke noch persönlicher werden lassen.

Buffet

Auch beim slowenischen Modellabel Buffet dreht sich alles um die Wieder- und Weiterverwertung bereits bestehender Stoffe. Um ihre einzigartigen wie qualitativ hochwertigen Designs zu fertigen, werden daher ausschließlich handverlesene Dead-Stock Materialien großer Luxus Modellabels verwendet. Was für den einen Abfall ist, wird so für den anderen zum neuen It-Piece.

VYN

Aber nicht nur Oberbekleidung geht zirkulär! Mit ihrem Wear- Care- Repair System verlängert das Basler Designlabel VYNnicht nur die Lebensdauer ihrer einzigartigen Sneakers um ein Vielfaches, es sorgt so auch fürden erste reparierbaren Sneaker der Welt überhaupt. Indem die beiden anfälligsten Teile eines Sneakers – Absatz und Fersenkappe – in weniger als einer Minute ausgetauscht werden können, sind VYN Sneaker außerdem nicht nur langlebig, sondern zudem personalisierbare Einzelstücke!

Restemöbel

Wo etwas gebaut wird da fallen Reste an. Das ist auch beim Möbelbau in einer Schreinerei nicht anders. Da diese Reste oftmals viel zu schade sind um im Abfall zu landen hat das Basler Interiorlabel Restemöbel es sich zur Aufgabe gemacht ebendiese wiederzuverwerten. Restemöbel zeigt damit eindrücklich, wie aus regional angefallenen Restmaterialien ausgesuchte Designlieblinge entstehen können.

WYE Design

Auch die Macher vom Münchner Label WYE Design verwenden zur Produktion ihrer hochwertigen, schlichten Tische, Hocker und Bänke ein Nebenprodukt der industriellen Holzverarbeitung. Durch den eigens entwickelten Holzwerkstoff Neolign, der zu 83% aus Holzfasern besteht, verhindern sie so aber nicht nur das Fällen von Bäumen: „Da Neolign für uns auch nach der Nutzungsdauer wertvoll bleibt, nehmen wir deine Produkte zurück und fügen den Werkstoff wieder dem Herstellungsprozess für neue Kollektionen zu. Damit schaffen wir einen bisher einzigartigen Kreislauf im Möbelbereich und können unseren Holzwerkstoff über mehrere Jahrzehnte nutzen.‍“

Formich

Weitere außergewöhnliche wie zirkuläre Möbellieblinge gibt es beim Zürcher Designlabel formich zu entdecken. Von Hand und vollständig in Sozialunternehmen gefertigt, setzt formich beim Thema Kreislaufwirtschaft vor allem auf den Aspekt der Flexibilität und Weiterentwicklung: Durch den Einsatz verschiedener Holzplatten und Metallverbinder, können die Möbelstücke beliebig erweitert oder individuell in Form und Design verändert werden.

More Circular

Bei more circular schließlich steckt der ökologische Anspruch des belgischen Designlabels schon im Namen: Mit der Weiterverwertung von Gipsabfällen und liebevoller Handarbeit entstehen hier ästhetische Design-Hängeleuchte, die mit ihren einfachen Kurven und ihrem reinen und starken Material dein Zuhause erhellen . Die Idee dazu kam dem Gründer und Ingenieur für Recyclinganlagen Marten van Leeuwen übrigens während seines ersten "nachhaltigen" Jobs. Als er sah, welche riesigen Mengen an Abfall verbrannt wurden, um erneuerbaren Strom zu erzeugen, setzte er es sich zum Ziel Ressourcenverschwendung einzudämmen.

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