Selten hat eine Jury soviel gestritten - und so viel gelacht. Entsprechend kontrovers fiel die Entscheidung am Eröffnungstag der blickfang Zürich 2010 aus. Ausgewählt hat die Jury schliesslich drei Produkte, die unabhängig von ihrem Auftritt auf jeweils unterschiedliche Weise überzeugen:
Der blickfang Preis in Bronze ging an die Newcomerin Sara Vidas und ihre Kollektion Lili by Sara Vidas. An die blickfang kam sie mit der Bolero Choice No.1. Sara Vidas hat an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel Modedesign studiert und bereits für ihre Abschlussarbeit in Brockenhäusern und auf der Strasse nach überraschenden Kleidern und Stylings gesucht – weil sie darin ihre Inspiration findet. Vor allem ältere Menschen faszinieren Sara Vidas, denn sie kombinieren auf den Punkt und stilsicher Teile aus unterschiedlichen Dekaden. Die Jury versteht den Preis als Ermunterung an die junge Designerin, auf diesem Weg weiter zu gehen. Und dafür, die Kollektion auch verkäuflich zu machen.
Den blickfang Preis in Silber gewinnt die Leuchte Nan18 von Christian Deuber und Jörg Boner für Nanoo. 2007 entwickelten die beiden für ein Altersheim eine grosse Leuchte aus weissen, gefalteten Blechlamellen. Daraus entstand 2008 die Deckenleuchte Nan17, letztes Jahr kam die Stehleuchte mit dem selben, etwas kleineren Schirm heraus. Klassisch in der Form, überrascht die Materialtiät: der konisch sich verjüngende Blechschirm steht auf einem massiven Betonsockel. Das dimmbare Licht fällt durch die Lamellen, bringt Licht nach unten und strahlt indirekt nach oben - weich und warm. Der Jury gefällt der Umgang mit dem Material, die ruhige, architektonisch wirkende Form mit den überraschenden Details - ein Klassiker in neuem Kleid.
Die Überraschung des Abends bot "Pyrad": eine Öfchen, das grade mal Platz für eine kleine Bialetti bietet. Es besteht aus umfunktionierten Fahrradteilen. Diese wiederum stammen von ausgesteuerten Fahrrädern, die nach Afrika exportiert werden, erklären Brigitta und Benedikt Martig-Imhof von Tät-Tat. Sie beziehen diese Material von Gump- & Drahtesel, die ihrerseits jährlich rund 7000 Räder und Ersatzteile nach Afrika liefern. Und was dort eben nicht gebraucht wird, wird hier zu Pyrad und anderem umgebaut. Der Charme des Gebastelten, die gute Tat, die man mit dem Kauf des 175.- teuren Öfchens tut, und der Arte-Povera-Look verhalfen Pyrad zum blickfang Preis in Gold. Wer wissen will, wo das Öfchen hinkommt, muss bei Jurymitglied Jeroen van Roojien anklopfen: er werde es noch so gerne in seinen gut sortierten Haushalt aufnehmen, liess er verlauten.
blickfang Curator of the Year Stephen Burks
NZZ-Stil-Redaktor Jeroen van Roojien
Stylilstin Marisa Pichler, HopeHope fashion&tendencies
Rudolph Schürmann, Managing Partner von Neutral Zürich
Hochparterre-Redaktorin Meret Ernst
- von Meret Ernst, Jurypräsidentin blickfang Designpreis